Abgrenzungen (Update vom Juni 2017)

Aktuell werden verschiedene Vorgehensweisen zur Brillenglasbestimmung diskutiert, die z.B. im Zusammenhang mit neuen Technologien zur Sehzeichendarbietung vorgeschlagen werden.

Die IVBS verweist diesbezüglich auf die „Richtlinien zur Anwendung der MKH“.

Ist es sinnvoll, monokulare Korrektionswerte im Binokularsehen zu ermitteln?

Gemäß den Richtlinien soll

•       die Bestimmung von Sphäre, Zylinder und Achse nicht durch akkommodative Vergenz beeinflusst werden, was nur bei Okklusion des Gegenauges garantiert ist.

•       die Bestimmung von Sphäre, Zylinder und Achse jeweils für zentrale Fixation des Einzelauges erfolgen, was ebenfalls Okklusion des Gegenauges erfordert.

•       der binokulare refraktive Abgleich erst nach erfolgter prismatischer Korrektion, also bei bizentraler Bildlage, erfolgen.

Ist es sinnvoll, die Heterophorie-Bestimmung allein an FD-Testen durchzuführen?

Solche Empfehlungen sind kritisch zu betrachten. FD-Teste enthalten stets für beide Augen ungetrennt dargebotene, zentral angeordnete Fusionsobjekte. Dadurch zeigen  sich motorisch kompensierte Heterophorie-Anteile nur bedingt bzw. mit größerem Zeitaufwand. Die Erfassung dieser Anteile ist jedoch wichtig, da der muskuläre Ausgleich von Heterophorien häufig Anstrengungsbeschwerden verursacht. Folglich wird dringend empfohlen, vor der Anwendung von FD-Testen den motorischen Anteil mit einem konventionellen Heterophorie-Test, d.h. einem Test ohne zentrales Fusionsobjekt wie dem Kreuztest der MKH-Testreihe, zu ermitteln.

Sind bei Kopfdrehungen ermittelte prismatische Korrektionen „MKH-Prismen“?

Entgegen anderslautenden – oftmals sehr dynamisch vorgetragenen - Darstellungen enthalten die Publikationen von H.-J. Haase keinerlei Anweisung, bei Anisometropien auf die - in der Primärstellung ermittelte - prismatische Vollkorrektion zu verzichten und stattdessen dasjenige Prisma zu verordnen, das sich bei provozierten Blickauslenkungen ergibt. Daher ist es irreführend, derart modifizierte Vorgehensweisen als Variante der „MKH“ zu bezeichnen.

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