IVBV wurde IVBS: Optimales Binokularsehen im Fokus

Die IVBV (Internationale Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion) wurde im Jahr 1988 auf Initiative von Fachleuten der Augenoptik/Optometrie, Ophthalmologie und Psychologie und anderer Naturwissenschaften in der Schweiz gegründet. Sie hatten die Konzepte des Berliner Fachdozenten für Augenoptik Hans-Joachim Haase zur Korrektion von Störungen des Binokularsehens kennen gelernt, selbst erprobt und waren beeindruckt von den positiven Auswirkungen der so gefertigten Prismenbrillen.

Obwohl die IVBV in den Folgejahren einen starken Zulauf erlebte und große Kongresse ausrichtete, erwies sich der Begriff 'Vollkorrektion' im Vereinsnamen immer wieder als missverständliches Reizwort. Dabei wird selbst in den Richtlinien für die MKH klargestellt, dass hiermit nicht die dogmatische Forderung gemeint ist, jede assoziierte Heterophorie ("Winkelfehlsichtigkeit") voll zu korrigieren. Vielmehr ist das Beschwerdebild des Klienten/Patienten maßgeblich für die Empfehlung von prismatischen Korrektionen.

Dennoch hielt allein der Name 'IVBV' am Binokularsehen interessierte Fachleute davon ab, der Vereinigung beizutreten, weil sie dahinter das Dogma der Vollkorrektion vermuteten. Aus diesen Gründen wurde unter den Mitgliedern wiederholt die Frage diskutiert, ob der Name der Vereinigung noch geschickt gewählt sei. Dies führte schließlich Anfang 2012 zu einer Urabstimmung über den Vereinsnamen.

Die Tatsache, dass der Begriff 'Vollkorrektion' nun nicht mehr im Vereinsnamen enthalten sein wird, bedeutet allerdings kein Abrücken von den Arbeitsprinzipien H.-J. Haases. Obwohl seine Tätigkeit von einer großen Aufgeschlossenheit gegenüber allen Ansätzen zur Lösung optometrischer Problemstellungen geprägt war, hat er stets darauf hingewiesen, dass nur die binokulare Vollkorrektion die bizentrale Abbildung in der Ruhestellung der Augen sicherstellt.

Zusätzlich soll mit dem geänderten Namen die Bandbreite der fachlichen Kompetenz verdeutlicht werden. So ist eine wesentliche Zielsetzung gemäß Statuten "die bestmögliche Erfassung und Lösung von Problemen, die durch gestörtes Binokularsehen verursacht werden". Entsprechende Themengebiete neben Heterophorie sind Strabismus, Amblyopie, Anisometropie, Aniseikonie und ihre Auswirkungen auf das Sehen sowie den Gesamtorganismus. Eine thematisch breitere Aufstellung der IVBS soll dazu beitragen, in Zukunft mehr Fachleute verschiedener Disziplinen mit den Haaseschen Konzepten vertraut zu machen.

Dabei hat Haase seine Methodik als integrativen Bestandteil einer vollständigen optometrischen Untersuchung gesehen und stets umfangreiche Funktionsprüfungen vorgenommen (Beispiele: Ophthalmoskopie, Cover-/Uncovertest, Motilitätstest, Konvergenznahpunkt,
Akkommodations- und Vergenzbreiten, Pupillenreaktionen). Viele der im Rahmen der angestrebten Höherpositionierung der Augenoptik/Optometrie diskutierten Überprüfungen wurden bereits vor Jahrzehnten von H.-J. Haase praktiziert, der damit in jeder Hinsicht Vorreiter einer modernen Optometrie war.

Erfolgreiche Anwender der MKH haben bereits gute Erfahrungen mit interdisziplinären Netzwerken. Daher versteht sich die Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen (IVBS) auch als Forum für verschiedene Berufsgruppen wie z.B. Augenoptiker/Optometristen, Ärzte, Therapeuten und Pädagogen. Sie bietet ihnen die Möglichkeit zur Fortbildung und zum fachlichen Erfahrungsaustausch, um künftig betroffenen Klienten/Patienten noch besser helfen zu können.

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