26. IVBS-Jahreskongress

Der 26. IVBS-Jahreskongress fand am 11. Mai 2013 im Leonardo Hotel Heidelberg (Pleikartsförster Str. 101, 69124 Heidelberg) statt.

In diesem Jahr war der IVBS-Kongress erstmals mit einer weiteren großen Fachtagung gekoppelt, dem 'Tag der Optometrie'. Gemeinsam mit dem ZVA (Zentralverband der Augenoptiker) und der VDCO (Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen) richtete die IVBS dieses Ereignis am 12. Mai 2013 aus.

Der IVBS-Kongress war daher in diesem Jahr auf einen Tag begrenzt, an dem die Besucher ein hochinteressantes, kompaktes Vortragsprogramm mit dem Schwerpunkt Binokularsehen erwartete. Am darauffolgenden Tag hatten Sie die Gelegenheit, am selben Veranstaltungsort das breit gefächerte Programm am 'Tag der Optometrie' wahrzunehmen.

Der 26. Jahreskongress der IVBS wurde von der Landesärztekammer Baden-Württemberg, dem Schweizerischen Berufsverband für Augenoptik und Optometrie (SBAO) sowie dem Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) als Fortbildungsveranstaltung akkreditiert. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg vergab 7 Fortbildungspunkte, SBAO und ZVA jeweils 4 Fortbildungspunkte.

Der Kongress wurde ermöglicht, durch die Unterstützung befreundeter Unternehmen. Sie finden die Logos unserer Sponsoren rechts. Ein Klick auf ein Logo bringt Sie zur Internetpräsenz des Unternehmens.

Untenstehend finden Sie das Programm des IVBS-Jahreskongresses 2013. Wir haben alle wichtigen Informationen zum IVBS-Kongress und zum Tag der Optometrie auch in einem übersichtlichen Folder zusammengefasst. Zusätzlich können Sie sich die Abstracts aller Vorträge in einer einzelnen PDF downloaden. Für die inhaltliche Nachbereitung finden IVBS-Mitglieder im internen Bereich (siehe oben 'Login') zu einigen Vorträgen eine Zusammenstellung der präsentierten Folien. Und zu guter Letzt: Einige fotografische Eindrücke vom Kongress.

Programm

09:00 – 09:15   Begrüßung/Kongresseröffnung durch den Präsidenten der IVBS
Georg Stollenwerk, M.Sc.
Vortragsblock I:
Sehfunktionen
   
09:15 – 10:00 Dr. Gernot Jendrusch: "Wahrnehmungsschulung – Trainierbarkeit der visuellen Leistungsfähigkeit"

„Visueller Mehrkämpfer“ im Sport – und das durch Training? Natürlich sind „guter Durchblick“ und Aufmerksamkeit für Spitzensportler unverzichtbar! Beim Handball aus den Augenwinkeln wahrnehmen, was Mitspieler oder Gegenspieler gerade tun; beim Tennis oder Beachvolleyball möglichst genau „vorhersehen“ welchen Weg der Ball nimmt: (Visuelle) Wahrnehmung und Reaktion spielen bei nahezu allen Sportarten eine entscheidende Rolle.
Zahlreiche Berichte über „Sehtraining“ für Sportler (sog. Sports Vision Trainings) suggerieren, dass sich Seh- und Wahrnehmungsleistungen gezielt steigern lassen.
In der Sportpraxis hat neben der allgemeinen Wahrnehmungsschulung v.a. die sport(art)spezifische Wahrnehmungsschulung eine wesentliche Bedeutung (u.a. im Koordinationstraining, im Antizipationstraining z.B. in den Sport- und Rückschlagspielen oder bei der Entwicklung von aufgabenbezogenen Blickstrategien).
Im Rahmen des Vortrags sollen im Sinne einer Bestandsaufnahme die Möglichkeiten und Grenzen der Trainierbarkeit der visuellen Wahrnehmung – u.a. am Beispiel der Bewegungswahrnehmung bzw. Blickmotorik, des Räumlichen Sehens, des Peripheren Sehens sowie der Auge-Hand-Koordination dargestellt werden. Ferner werden aktuelle wissenschaftliche Studien zur Effektivität von Sports Vision Training präsentiert.

10:00 – 10:30 Prof. Wolfgang Sickenberger: "Screening von Sehfunktionen bei Hochleistungssportlern"

Das Sehen ist zweifelsfrei das wichtigste Sinnesorgan für die Ausübung der meisten Sportarten. Je nach Sportart haben Athleten verschiedene Aufgaben zu bewältigen, bei denen sehr gute visuelle Fähigkeiten Vorteile bei der Sportausübung mit sich bringen. Beispielsweise bei der Orientierung und Wahrnehmung im Raum, dem Gleichgewicht, der Kontrolle der Eigenbewegung oder dem Beobachten und Abschätzen des gegnerischen Verhaltens ist die visuelle Wahrnehmung ausschlaggebend, wie schnell und wie genau wird das gegnerische Verhalten erkannt und verarbeitet.
Auch ein Trainer oder Schiedsrichter hat bei der Beobachtung und Beurteilung von Bewegungen und Spielvorgängen anspruchsvolle Sehaufgaben zu leisten. Oft ist es den Sportlern und Trainern nicht bewusst, dass gutes Sehen eine Voraussetzung für sportliche Leistungen ist. Auswertungen zur Sehleistung von Profisportler zeigen, dass ca. ein Drittel der Profisportler nicht optimal Sehen, teilweise ohne dies selbst zu wissen! Hier kann die Augenoptik/Optometrie eine Lücke in der Versorgung von Sportlern füllen – z.B. über spezielle Sportvision Screenings.
Die visuelle Leistungsdiagnostik bei Athleten verfolgt das Ziel, den aktuellen visuellen Zustand des Sehsystems festzustellen und bei bestehender Notwendigkeit die optimale Korrektion zu finden bzw. eine bereits bestehende zu optimieren. Ermittelte Defizite werden dabei nicht nur durch verschiedene Brillengläser, Kontaktlinsen oder chirurgische Korrekturmaßnahmen ausgeglichen, sondern auch durch SportsVision Training verbessert. Solche Trainings können nach verschiedenen Studien (z.B. Knudson & Kluka, 1997; Maman, 2011) die motorisch- und wahrnehmungsbezogenen visuellen Leistungen positiv beeinflussen und somit zur Steigerung der sportlichen Leistung beitragen.
Bei Screenings des visuellen Systems ist es von besonderer Wichtigkeit, die Umfeldbedingungen so genau möglichst zu simulieren bzw. die Tests direkt an der Sportstätte vorzunehmen. Eine sportoptische Versorgung ist individuell, da die Anforderungen je nach Sportart differieren. Die Sehaufgaben bei schnellen Sportarten wie z.B. Handball unterscheiden sich von der statischen Sehhöchstleistung im Sportschießen. Sportoptische Tests sollten verschiedene sportartspezifische, relevante Untersuchungsparameter zur Beurteilung des visuellen Zustandes beinhalten, wie z.B.:

• statischer Visus verschiedener Entfernungen
• dynamischer Visus verschiedener Entfernungen
• Binokularstatus
• Hand-Auge-Koordination
• Tiefensehschärfe und räumliches Sehen
• Kontrastempfindlichkeit
• Farbsehen
• Dominanz eines Auges
• peripheres Sehen und Bewegungswahrnehmung
• visuelle Ausdauer und Belastbarkeit, z.B. Akkommodation und Akkommodations-flexibilität
• Augenmotorik (Augenfolgebewegungen, Sakkaden, Fixation)
• …

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Verfahren der visuellen Leistungserhebung im Rahmen von Sportsvision Screenings. Ferner werden Ergebnisse bisheriger Analysen bei verschiedenen Sportarten präsentiert und einen Ausblick auf die Möglichkeiten der Korrektion sowie der Optimierung des Sehens im Profisport gegeben.

10:30 – 11:00 Silke Lohrengel, M.Sc.: "Flexibilität von Akkommodation und Vergenz"

Fokussieren und erkennen in unterschiedlichen Entfernungen und Geschwindigkeiten gehört zu unserem täglichen Leben. Gerade, wenn wir als Kind anfangen unsere Umwelt zu erkunden, in der Schule, wenn von der Tafel immer wieder auf das Heft visuell gesprungen werden muss, genau wie bei Sportlern, welche speziell in Mannschaftssportarten diese Flexibilität benötigen. Sind wir zu lange auf eine Entfernung eingestellt wie z.B. ein Zahnarzt mit Fernrohrlupenbrille oder ein ITler, der den ganzen Tag auf seinen Bildschirm schaut, geht diese Flexibilität des Sehens unmerklich verloren. Beim Blick in die Ferne sehen wir spontan eher verschwommen.
Wie funktioniert nun das Testen der Akkkommodations-und Vergenzflexibilität, welche Bereiche betrifft sie und lassen sich Ableitungen für die Praxis machen?

11:00 – 11:15   Diskussionsrunde (Moderation: Prof. Ralph Krüger)
11:15 – 11:45   Kaffeepause
     
Vortragsblock II:
MKH
   
11:45 – 12:15 Josef Thiel: "Sinnvolle Ergänzung der MKH durch Funktionaloptometrie?"

Oder sinnvolle Ergänzungen der Funktionaloptometrie durch MKH?
Je nachdem welche Perspektive man hat, wird man die eine oder andere Formulierung benutzen wollen. Passen MKH und Funktionaloptometrie eigentlich zusammen? Nach der Meinung von einigen MKH-Anwendern, gilt nach wie vor die Meinung: Macht bloß nichts, wo die Augen sich bewegen können! Mit der Anwendung der Funktionaloptometrie ändert man oder bringt man die ganze MKH Messung durcheinander. Meine Meinung ist, dass sich sowohl die MKH als auch die Funktionaloptometrie verändern sollen und müssen.

12:15 – 12:45 Prof. Ralph Krüger: "Die MKH im Vergleich mit konventionellen Messmethoden"

Die heute in der Augenheilkunde, der Orthoptik und der Augenoptik/Optometrie angewendeten Verfahren zur Bestimmung von Korrektionswerten bei Heterophorie unterscheiden sich einerseits bezüglich ihres Messaufbaus (Art der Trennung der Seheindrücke für rechtes und linkes Auge, Beleuchtungsbedingungen, Dosierung der Fusionsreize, Einzeltest/Testreihe usw.) andererseits bezüglich der Interpretation und Bewertung ihrer Messergebnisse sowie der daraus resultierenden Korrektionsvorschläge.

Der Vortrag betrachtet die gängigsten Heterophorie-Messverfahren bezüglich dieser Aspekte und macht deutlich, wodurch sich die MKH von anderen Methoden abhebt.

12:45 – 13:15 Volkhard Schroth, B.Sc.: "Ist FD objektiv nachweisbar? - Neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit der MKH"

Hintergrund:
In der Augenheilkunde und der Optometrie wird seit etwa 50 Jahren die Augenstellung aufgrund subjektiver Testverfahren bestimmt und teils mit Brillengläsern korrigiert. Dies wird vielfach sehr kritisch beurteilt, weil das okulomotorische System sehr anpassungsfähig ist und Prismenadaptation den Effekt aufheben würde.
Heute gibt es mittels hoch-auflösender Eyetracking Systeme die Möglichkeit, die Augenstellung objektiv zu messen und so die Auswirkungen von Korrektionsgläsern zu überprüfen. Mittels der objektiv gemessenen FD können auch Hypothesen der MKH-Theorie untersucht werden.

Probanden:
24 Personen (18m, 6w) im Alter zwischen 18 und 30 Jahren (Mittel 23,6J.) und einem Visus sc ≥1,0 wurden optometrisch untersucht. Voraussetzung zur Teilnahme war zudem, dass keine Augenerkrankung und kein Strabismus vorlagen.

Methoden:
Ausführliche Messungen des binokularen Status wurden durchgeführt: u.a. Grafische Analyse, FD nach Sheedy, Ausgleichsprismen nach Mallett und nach MKH.
Vier Experimentalsitzungen wurden durchgeführt: zwei ohne Brille und zwei mit der kompletten sph-zyl Korrektion und den nach MKH gemessenen Ausgleichsprismen. Die Tragedauer der Brillenkorrektion lag im Mittel bei 36 Tagen.
In jeder Sitzung wurde mit dem Eyelink II, einem binokularen dark-pupil Eyetracker mit einer räumlichen Auflösung von 6´und einer zeitlichen Auflösung von 500 Hz, die objektive FD (oFD) gemessen. Die oFD ist der Unterschied zwischen der monokularen Eichung und der dann gemessenen Vergenzstellung.
Insgesamt sieben unterschiedliche Testfiguren für subjektive FD (u.a. Kreuztest MKH, Mallett Test, Hakentest MKH) wurden in jeder Sitzung gezeigt. Die Messdauer betrug jeweils eine Minute, zuvor und danach fand die Eichung statt. Die Tests für subjektive FD (sFD) wurden nicht für Korrektionszwecke benutzt, sondern um die sFD ohne und mit Prismenkorrektion zu bestimmen. Alle Testfiguren wurden sowohl in Ferne (6m) als auch in der Nähe (40cm) an polarisierenden, elektronischen Displays dargeboten. Testteile waren über Maustaste verschiebbar, um unabhängig vom Untersucher die sFD messen zu können. Die sFD kann als tatsächliche Abweichung der dichoptisch dargebotenen Testteile verstanden werden, bei der die Person den Eindruck hatte, die Testteile stünden exakt zentriert.
Somit konnte simultan sowohl die subjektive wie auch die objektive FD gemessen werden.

Ergebnisse:
Die Refraktionswerte aller Probanden waren im stärksten Hauptschnitt ≤0.75 dpt mit zyl Werten im Bereich ≤0.75 dpt. Zur Hälfte waren Personen mit Basis außen Prismen und zur Hälfte Personen mit Basis innen Prismen ausgewählt worden. Die Prismenwerte bei Exo betrugen -3.04 cm/m ± 1.7 (min 1.0; max 5.5 cm/m). Zwei Personen dieser Gruppe waren nach MKH motorisch kompensiert, 6 Personen hatten eine junge FD und 4 Personen eine alte FD. Die Prismenwerte bei Eso betrugen 3.94 cm/m ± 2.8 (min 1.5; max 8.0 cm/m). Eine Person der Eso-Gruppe war nach MKH motorisch kompensiert, 8 Personen hatten eine junge FD und 3 Personen eine alte FD.
In einer Einzelfallanalyse zeigte sich, dass keiner der untersuchten sFD Tests (Kreuztest/ Mallett A/ Mallett B/ Hakentest/ Mallett vertikal) mit den Ergebnissen der oFD korreliert war. Im Einzelfall zeigten sich sehr große Schwankung der oFD, die teils um den Faktor 10 grösser als die sFD war, aber kein systematischer Zusammenhang zur sFD.
Eine Signal-to-Noise Analyse zeigte auf, dass die tatsächliche Messgenauigkeit der oFD nur 20 bis 25´ betrug. Die Test-Retest Genauigkeiten bei den Fernmessungen betrugen für die oFD (r= 0.44) und für die sFD (r=0.76). Die Korrelation bei den Nahmessungen war deutlich schlechter, daher wurden weiterhin die Fernwerte berücksichtigt.
Die Auswertung der Prismeneffekte zeigte folgende Ergebnisse: bei der oFD war ein signifikanter Effekt (p=0.0148) in der Gruppe mit Basis außen Prismen zu finden. Die Änderung der oFD lag im Mittel bei -11.5´. Bei der sFD war ein signifikanter Effekt (p=0.0023) in der Gruppe mit Basis innen Prismen zu finden, die Größe des Effekts lag bei +0.65´.

Diskussion:
Die Studie zeigt auf, dass es spezifische Effekte von mehrwöchigem Prismentragen gibt. Die subjektive FD veränderte sich in die zu erwartende Richtung nur bei Personen, die Basis innen Prismen trugen. Die objektive FD veränderte sich in die erwartete Richtung nur bei Personen, die Basis außen Prismen trugen. Dieses Ergebnismuster legt die Vermutung nahe, dass objektive und subjektive FD zwei unterschiedliche Charakteristika des visuellen Systems darstellen. Die oFD steht für die okulomotorische Fehlstellung der beiden Fixierlinien. Hingegen steht die sFD für eine sensorische Abweichung, die das Ergebnis von neuronalen Stabilisierungs- und Kompensationsmechanismen zu sein scheint.
Daher kann man schlussfolgern, dass das mehrwöchige Tragen von Korrektionsprismen nicht nur Vergenz-Adaptation nach sich zieht, sondern dass die FD davon beeinflusst wird.
Die geringe Messgenauigkeit der oFD und die hohen Schwankungen der oFD Werte sind allein aufgrund der physiologischen Mikroschwankungen der Augen zu erwarten. Erstaunlich ist daher viel mehr, warum die Testwahrnehmung an sFD Testen in aller Regel ruhig und stabil ist und dass die sFD auch nur in einem sehr geringen Bereich schwankt. Weil sich offensichtlich die oFD und die sFD prinzipiell unterscheiden, ist es nicht direkt möglich, mit Hilfe von Eyetracking Messungen die Theorie der MKH zu untersuchen.
13:15 – 13:30   Diskussionsrunde (Moderation: Georg Stollenwerk, M.Sc.)
13:30 – 14:15   Mittagsimbiss
     
Vortragsblock III:
Augenbewegungen
   
14:15 – 14:45 Raymond E. Wälti, M.Sc.: "Messung von Blickbewegungen und der dynamischen Binokularität"

Wie steht es um die Binokularität Ihres Kunden/Patienten während des Leseprozesses? Wie ist die Blickbewegungsstrategie beim Lesen? Auf diese und zusätzliche Fragen gibt eine objektive Messung mit dem Visagraph Auskunft. Der Visagraph ist ein mobiles, kostengünstiges Gerät zur digitalen Erfassung von Blickbewegungen beim Lesen. Dieses liefert innerhalb von fünf bis zehn Minuten wertvolle Resultate und kann von einer Fachperson einfach bedient und angewandt werden. Der Vortrag beleuchtet einerseits die wissenschaftliche Grundlage des Geräts und dessen Entwicklung. Andererseits werden in praktischen Beispielen die Anwendung im Alltag aufgezeigt sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Messung besprochen. Spannend ist dabei besonders die Möglichkeit einen Einblick in die Binokularität des Augenpaares während des dynamischen Prozesses des Lesens zu erhalten.

14:45 – 15:15 Dr. Wolfgang Becken: "Torsionsbewegungen der Augen bei Konvergenz"

Beim Sehen in der Nähe kann der Astigmatismus des Auges sowohl bezüglich Betrag als auch Achse vom Astigmatismus in der Ferne abweichen. Die Ursachen für diesen Nahastigmatismus lassen sich in drei Gruppen einteilen: physiologische, geometrisch-optische und individuell-anatomische Gründe.
Die physiologischen Gründe betreffen die Einstellung des Augapfels bezüglich der Torsion um seine Längsachse und damit die Auswirkungen auf die Zylinderachslage. Die Stellung des Auges bei tertiären Blickrichtungen spielt auch schon beim Blick in die Ferne eine Rolle und wird dabei durch die Listingsche Regel beschrieben. Diese besagt, dass die Stellung des Augapfels für jede Blickrichtung unabhängig von der Vorgeschichte der Blickrichtungen dieselbe ist, und dass sie als das Ergebnis einer Drehung um eine einzige Achse aufgefasst werden kann, die sowohl senkrecht auf der Nullblickrichtung als auch auf der tertiären Blickrichtung steht.
Studien haben ergeben, dass beim Blick in die Nähe beide Augen Torsionsstellungen einnehmen, die von der Listingschen Regel abweichen. Tatsächlich kann man durch Modellrechnung zeigen, dass für rein nach der Listingschen Regel ausgerichtete Augen die Raumhorizontale auf disparate Netzhautstellen abgebildet werden würde. Die beobachtete Modifikation der Torsionsstellung bewirkt eine Wiederherstellung der Parität und kann bis zu 3° pro Auge betragen.

15:15 – 15:45 Fritz Paßmann: "Neue Teste zum Abgleich des Astigmatismus unter binokularen Sehbedingungen"

Die exakte monokulare Augenglasbestimmung ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Prüfung des Binokularstatus. Neben der Sphäre wirken sich die ermittelte Stärke des Korrektionszylinders und insbesondere seine Achslage auf die Verträglichkeit der empfohlenen Verordnung sowie insbesondere die Raumwahrnehmung aus. Nach der monokularen Refraktion wurde bisher nur die Sphäre unter binokularen Bedingungen abgeglichen. Es zeigt sich aber, dass auch der Abgleich des Astigmatismus in Stärke und Achslage unter binokularen Bedingungen auf Grund einer Verrollung beider Augen empfehlenswert ist. Dafür stehen diverse Teste zur Verfügung. Der Vortrag wiederholt anatomische Grundlagen, sowie binokulare Augenbewegungen. Die praktische Vorgehensweise an diesen Testen wird durch eine schnelle Abfolge von Fotos erläutert.

15:45 – 16:00   Diskussionsrunde (Moderation: Volkhard Schroth, B.Sc.)
     
16:00   Schlusswort
16:15   Ende mit Kaffee
     
17:00 – 18:30   Generalversammlung (für Mitglieder der IVBS) im Plenarsaal (Raum „Baden-Württemberg“)
19:30   Abendveranstaltung