29. IVBS-Jahreskongress


Der 29. Jahreskongress der IVBS fand am 7. und 8. Mai 2016 im Hotel Wyndham Garden Lahnstein Koblenz (Zu den Thermen, D-56112 Lahnstein) statt. Das Haus liegt über den landschaftlich reizvollen Tälern von Rhein und Lahn. Hier trafen sich die Mitglieder der IVBS in den vergangenen Jahren bereits mehrfach.

Auch 2016 wurde wieder eine Reihe von praxisbezogenen Seminaren für verschiedene Stufen des Vorwissens geboten. Und auch für das Vortragsprogramm konnten Referenten mit spannenden Themenideen gewonnen werden. 

Der Kongress wurde begleitet von einer bemerkenswerten Industrie-Ausstellung: Diese bot den Teilnehmern in diesem Jahr die Gelegenheit, aktuelle Sehprüfgeräte verschiedener Hersteller, darunter auch einige Neuheiten, direkt miteinander zu vergleichen. Acht Hersteller waren vor Ort und deren Repräsentanten erläuterten bereitwillig die Eigenschaften der Systeme. Wie immer konnten die Teilnehmer auch im umfangreichen Buch-Angebot des DOZ-Verlages stöbern.

Unten finden Sie ausführliche Informationen zum Programm des IVBS-Jahreskongresses 2016. Gern können Sie auch ein wenig in den Fotos von diesem Kongress stöbern!

Dieser IVBS-Jahreskongress war eine akkreditierte Fortbildungsveranstaltung von:

  • Bezirksärztekammer Koblenz
  • Schweizerischer Berufsverband für Augenoptik und Optometrie (SBAO)
  • Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA)

Übrigens: Der Kongress wurde ermöglicht, durch die Unterstützung befreundeter Unternehmen. Sie finden die Logos unserer Sponsoren rechts. Ein Klick auf ein Logo bringt Sie zur Internetpräsenz des Unternehmens.

 

Programm

Samstag, 7. Mai 2016  
09:00 – 12:00   IVBS-Vorstandssitzung
13:00 - 16:30
Seminare  
S 1 Elke Brandt:
"Erfolgreiche betriebliche Umsetzung der MKH"


Den Teilnehmern wir in diesem Seminar ein strukturierter Ablauf in Verbindung mit der MKH-Messung, insbesondere bei Kindern, aufgezeigt.

Wir befassen uns unter anderem mit folgenden Themen:
- Kontaktaufnahme mit den Betroffenen
- Anamnese
- Abläufe diverser Messungen, Funktionstesten
- Sehhygiene
- Umsetzung der Messergebnisse
- Kommunikation mit Therapeuten, Ärzten, Lehren, Eltern und den Betroffenen
- Nachsorge einer prismatischen Versorgung, sowie Kontrollen.
- Ausstattung der Geschäftsräume
- Betriebsabläufe, Arbeitseinteilung
- ein, für die MKH ausgerichtetes Warenangebot
S 2 Carolin Truckenbrod, M.Sc.: "Screening für neurologische Defekte"

Welche Tests kann ein Augenoptiker beim Screening für neurologische Defekte anwenden? Eine Diagnostiklampe genügt um die Pupillenreaktionen und die Motilität zu testen. Anhand der Messergebnisse kann ein grober Einblick über neurologische Auffälligkeiten gewonnen werden. Diese können dabei afferent (betroffene Nervenbahnen vom Auge zum Gehirn) oder efferent (betroffene Nervenbahnen vom Gehirn zum Auge) sein. Anhand der Pupillenreaktionen können Rückschlüsse auf vielfältige Ursachen gezogen werden. Im Seminar werden Pupillenreaktionen und deren Auswertung besprochen und anhand eines Simulators anhand praktische Fälle geübt selbst die richtige Einschätzung zu treffen.
S 3 Andreas Leiße:
"Praxis der MKH für Neu- und Wiedereinsteiger"


In diesem Seminar wird die Anwendung der MKH betrachtet. Dazu wird die MKH mit Hilfe von praktischen Fällen verschiedener Altersgruppen (Kind, Erwachsener, Presbyoper) dargestellt. Es werden die wichtigsten Aspekte zur Korrektion von binokularen Störungen zusammengefasst. Schwerpunkt ist die Durchführung der MKH.
Im Einzelnen werden folgende Themengebiete behandelt:
• Anamnese: Hinweise und Kennzeichen auf binokulare Störungen
• Funktionsteste: Schnelle Tests zur Unterstützung der Korrektion
• Monokulare Refraktion: Beachtung wichtiger Aspekte für die prismatische Korrektion
• Prismatische Korrektion in Ferne und Nähe: Effektives Auffinden der Prismenstärke, Tipps zur Vorgehensweise und Wahrnehmungen an den MKH-Testen
• Die Verordnung: Möglichkeiten der Verordnung bei binokularen Störungen
• Zentrierung und Glasbestellung bei prismatischen Korrektionen
Etwas notwendige Theorie zum besseren Verständnis der Praxis:
• Abgrenzung und Merkmale von Phorie, Strabismus, Mikrostrabismus, Akkommodations- und Konvergenzstörungen
• Aktueller Stand der MKH, Möglichkeiten und Grenzen der MKH
S 4 Prof. Ralph Krüger:
"MKH für Fortgeschrittene: Stereopsisteste und Nahteste"


Erst die Anwendung der Stereopsis- und der Nahteste ergibt in vielen Fällen ein vollständiges Bild der binokularen Situation eines Klienten. Allerdings erscheinen diese Teile der MKH komplizierter und es soll auch einige Fallstricke dabei geben.
In diesem Seminar werden die theoretischen Hintergründe sowie die zugehörigen Teste erläutert. Aus dem erlangten Verständnis ergeben sich sinnvolle Hinweise zur Vermeidung von Fehlkorrektionen.
S 5 Michael Hornig:
"Bedeutung der Skiaskopie in der monokularen und binokularen Brillenglasbestimmung"


Die Skiaskopie bietet mit den statischen und dynamischen Methoden verschiedene Arbeitstechniken, sowohl eine monokulare objektive Refraktionsbestimmung, als auch Beurteilungen des binokularen Sehens vorzunehmen. Kein anderes objektives Messgerät bietet diese Möglichkeiten.
Das Seminar soll in Theorie und Praxis die unterschiedlichen Arbeitstechniken näher bringen, aufzeigen, wie man die Skiaskopie sinnvoll in die Augenglasbestimmung integrieren kann.
Sofern vorhanden, können eigene Skiaskope mitgebracht werden. Ansonsten werden Geräte zur Verfügung gestellt.
S 6 Dr. med. Fritz Gorzny: "Auswirkungen von Heterophorien und operative Korrektur"

Sichtbar sind assoziierte Heterophorien, selbst sehr große, eigentlich selten. Bestenfalls erkennt man sie an ihren Auswirkungen auf den Organismus wie Zwangshaltungen des Kopfes, Fehlstellungen der Wirbelsäule, des Beckens oder der Zähne. Auch relativ kleine Phorien können solche Auswirkungen zeigen, die dann mit Prismenbrillen gut zu korrigieren sind
Zeigen sich im Verlauf vieler Messungen enorme Winkelvergrößerungen über 15- 20 Prdptr, wird das Tragen einer Prismenbrille zur Last und es kann durch eine Augenmuskeloperation die Fehlstellung der Augen korrigiert werden. Im Laufe der letzten 20 Jahre meiner Beobachtungszeit sind zahllose derartige Fälle aufgetreten und operiert worden. Welche Störungen dabei beobachtet wurden und welche Erfolge durch Prismenbrillen und schließlich Operationen erzielt werden konnten, soll in diesem Seminar an exemplarischen Fällen vorgestellt und diskutiert werden.
Sollten Seminarteilnehmer eigene Problemfälle vorstellen
S 7 Nadine Heinrich, M.Sc.: "Optimale Umsetzung prismatischer Korrektionen"

In diesem Seminar geht es um die ideale optische Brillenanpassung prismatischer Einstärkenbrillengläser. Es bietet den MKH-Anwendern, die mit der korrekten Anamnese und der sachgemäßen Durchführung der monokularen Refraktions- und binokularen Augenglasbestimmung vertraut sind die Möglichkeit, die Verträglichkeit ihrer Binokularkorrektionen zu steigern. Durch die Bearbeitung ausgewählter Kernpunkte der optischen Brillenanpassung von prismatischen Einstärkenbrillengläsern wird der Seminarteilnehmer in seiner augenoptischen Fachkompetenz gestärkt und kann mithilfe neuen Wissens seine Kunden noch mehr begeistern und nachhaltig binden. Schritt für Schritt wird im Seminar aufgezeigt, wie es im Praxisalltag gelingen kann, die „Hürden“ bei der Umsetzung prismatischer Korrektionen zu nehmen.
Da für eine ideale optische Brillenanpassung prismatischer Einstärkenbrillengläser bereits der Ablauf der Augenprüfung von großer Bedeutung ist, beginnt nach einer kurzen Einführung in die Thematik die Analyse der für die Brillenanpassung relevanten Schwerpunkte bei der Anpassung der Messbrille. Anschließend zieht sich die fachgerechte Brillenanpassung durch sämtliche Bereiche des augenoptischen Alltags und endet mit der Nachbetreuung des Kunden. Zahlreiche Beispiele und Tipps aus der Praxis sollen dem Seminarteilnehmer helfen, die Kernpunkte gezielt im augenoptischen Alltag umzusetzen.

1 Grundlagen
- Ziel der optischen Brillenanpassung
- Zentrierforderungen
2 Ausgewählte Kernpunkte der optischen Brillenanpassung
- Anpassung und Zentrierung der Messbrille
- Ablauf der Augenprüfung
- Fassungsvoranpassung
- Festlegung der Zentrierpunkte
- Pupillenabstand
- Glasbestellung nach PMZ-, Formel- und Sonderfall
- Die Erfüllung der Zentrierpunktabstandsforderung in der Werkstatt
- Abgabe der Brille mit prismatischer Korrektion
- Nachbetreuung
S 8 Volkhard Schroth, B.Sc.: "Messen der FD und Bestimmen von prismatischen Korrektionen ohne prismatische Messgläser"

Üblicherweise wird eine Bestimmung der prismatischen Korrektion mittels Vorschalten von Messgläsern in einer Frage-Antwort-Situation vorgenommen. Dieses langjährig bewährte Vorgehen enthält jedoch eine Reihe von Fehlerquellen und ist mehr oder weniger zeitaufwändig.
Am Institut für Optometrie in CH-Olten wurde in mehrjähriger Forschungsarbeit ein FD-Messverfahren entwickelt und wissenschaftlich abgesichert, dass speziell für weniger erfahrene Untersuchende konzipiert ist. Das neue Verfahren dauert weniger als 10 Minuten und wurde von Hoya unter dem Namen „EyeGenius“ auf den Markt gebracht. Es verwendet ein völlig neues Konzept, das in der Binokularkorrektion bisher noch nicht zum Einsatz kam: Die direkte Umrechnung der gemessenen Fixationsdisparität in Prismenwerte.
Anders als bei der MKH sollen mit EyeGenius vor allem „einfache“ Fälle versorgt werden, deren Prismenwerte bei maximal 5.0 pdpt liegen. Unzuverlässige Messungen oder Spezialfälle mit unterschiedlich hohen Prismenwerten Fern/ Nah werden vom System erkannt. In diesen Fällen wird die Überweisung zum Binokular-Spezialisten empfohlen. Insbesondere kann das neue Verfahren zum Einsatz kommen, wenn ansonsten die Verständigung mit den Kunden schwierig ist: so zum Beispiel auch bei Kindern.
Im Seminar werden die Grundlagen der Neuentwicklung aufgezeigt [1] und praktische Messungen an Teilnehmenden demonstriert.
[1] Schroth V, Joos R, Jaschinski W (2015) Effects of Prism Eyeglasses on Objective and Subjective Fixation Disparity. PLoS ONE 10(10): e0138871. doi:10.1371/journal.pone.0138871
S 9 Jan Dominiczak: "Auswirkungen visuell verzögerter und lückenhafter Wahrnehmung auf schulischen Erfolg und Persönlichkeit"
(Teilnahme für Studenten kostenlos)

Immer mehr Eltern bringen Misserfolge ihrer Kinder mit Sehdefiziten in Zusammenhang, suchen Hilfe und Rat beim Augenoptiker. Bei Schulproblemen ist dessen Kompetenz zunehmend gefragt. Wegschicken ist keine Option mehr! Bestimmte Schulauffälligkeiten können direkte Hinweise auf Sehdefizite geben. Die Teilnehmer im Seminar können mit eigenen Augen und Fingern in die Rolle von Schülern steigen und die Herausforderung neu erleben, richtig schreiben und lesen zu lernen. Die bekannte Umwelt mit einer fremden Sicht zu erleben, kann überzeugender wirken als mancher Nebensatz von Fachleuten, der bisher auf- und abgehalten hat. Die Herausforderung ist eine ganz neue Bewertung von Messergebnissen und Korrektionen von lange bekannten und mindestens ebenso lange bagatellisierten Sehdefiziten!

- Schulerfolgsrelevanten Aspekten wird nachgegangen:
- Elternerwartungen an den spezialisierten Augenoptiker
- Erkennen von Sehdefiziten und WF - in allen Schulfächern sichtbar
- Auffälligkeiten im Kindergarten
- Wann passen Brillenwerte? Auswirkungen unvollständiger Korrektionen.
- Auswirkungen Augendominanz und Händigkeit
- Unterscheiden sich Eso- und Exo-Kinder?
- Korrektionserfolge – dokumentieren - unerlässlich und einfach möglich
17:00 - 19:00   Generalversammlung (nur für Mitglieder der IVBS)
19:30   Abfahrt zur Abendveranstaltung in den Maximilians Brauwiesen, Niederlahnstein
Sonntag, 8. Mai 2016  
09:00 - 16:00
Vorträge  
09:00 - 09:15   Begrüßung durch den Präsidenten der IVBS
Georg Stollenwerk, M.Sc.
09:15 - 11:10
Vortragsblock I  
09:15 – 09:45 Dr. Marc Wuttke: "Zusammenhang zwischen Störungen des Binokularsehens und Haltungsauffälligkeiten"


In den letzten Jahren hat sich zunehmend die Zusammenarbeit zwischen der Optometrie und der Manualmedizin etabliert. Funktionsophthalmologische Aspekte haben einen festen Stellenwert in der manualmedizinischen Diagnostik. Neben Kopfschmerzen und haltungsspezifischen Auffälligkeiten spielen Störungen beim Lesen und der Rechtschreibung sowie beim Schreiben und einiges mehr zunehmend eine Rolle in der differentialdiagnostischen Betrachtung bei Kindern und Jugendlichen.
Hier sind mehrere Fachdisziplinen angesprochen. Neben Kinder- und Allgemeinärzten sind auch Augenärzte, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Neuropädiater, Kinderpsychologen sowie Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und zunehmend erfreulicherseits auch Optometristen und Orthoptisten in differentialdiagnostischer und therapeutischer Hinsicht zur Zusammenarbeit aufgefordert.
Für alle Individuen hat die Stabilisierung von Lage und Raum unter dem Einfluss von Bewegung und Schwerkraft alleroberste Priorität. Zum einen zwingen Funktionsstörungen der oberen Halswirbelsäule und des Beckenringes u.a. zu posturalen Anpassungsmechanismen, die Auswirkungen auf das Zusammenspiel der verschiedenen Wahrnehmungsqualitäten des visuellen, auditiven und propriozeptiven Systems haben.
Umgekehrt sorgen Störungen in den unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen zum anderen für eine Haltungsanpassung des Bewegungsapparates und zwingen zu Kompensationsmechanismen, die genauso zu einer Lage-Raum-Stabilisierung beitragen. Dieses Zusammenspiel ist hochkompliziert und selbständig, jedoch gelegentlich störanfällig. Unter evolutionsspezifischen Aspekten macht die Verschaltung aller Wahrnehmungssysteme natürlich Sinn im Überleben, auf der Jagd nach Nahrung, bei der Verteidigung gegenüber Mensch und Tier genauso wie der Verteidigung der eigenen Stabilität gegenüber der Schwerkraft. Einige Fertigkeiten sind in dieser Art und Weise aus verständlichen Gründen nicht mehr gefragt oder werden im Industriezeitalter anders gefordert oder verkümmern teilweise. War früher der Blick in erster Linie auf die Prärie gerichtet, liegt er heute meist in Bildschirmabstand.
Das propriozeptive System aber verfügt immer noch über Mechanismen der Steuerung und Regulierung genauso wie über Kompensationsmöglichkeiten. Dennoch liegen hier häufig therapeutische Möglichkeiten in einem Auffälligkeitskatalog, in dem in unserer zunehmend auf Leistungs-Optimierung ausgelegten Gesellschaft Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsauffälligkeiten, erhöhte Ablenkbarkeit, Kopfschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in Schreibhand und Schulter-Nackenmuskulatur beschrieben werden.
Aus unserer klinischen Erfahrung im Alltag heraus sehen wir häufig frustrane monokausalistische Therapieansätze, teilweise auch biochemisch-pharmakologischer Art.
Gegenseitige Kenntnis der Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten sollte durch regelmäßigen Austausch und durch Zusammenarbeit ermöglicht werden. Oftmals eröffnen sich gerade für die Betroffenen Therapiemöglichkeiten und -Kombinationen, die eben nicht allein von einer Disziplin geleistet werden können.
Die beschriebenen Zusammenhänge sowie Vorschläge zur verbesserten Zusammenarbeit sollen anhand des visuellen und propriozeptiven Systems aus Sicht eines Manualmediziners erläutert und dargestellt werden.
09:45 – 10:15 Jan Dominiczak:
"Ist gutes Sehen unnötig und deshalb verzichtbar?
Bildungskarrieren – Verantwortung – Optometrie"


Über zwei Jahrzehnte Beobachtungen von Schulerfolgen bei vollständigen Korrektionen im pädagogischen Alltag lassen inzwischen keinen Zweifel mehr an dem direkten Zusammenhang zwischen Lernerfolg und visueller Wahrnehmung. Günstige visuelle Fähigkeiten machen Bildungsanstrengung erfolgreicher. Die meisten schulischen Tests sind nonverbal und erfassen damit vorrangig die visuelle Auffassungsgabe – somit wird visuelle Kompetenz fälschlicherweise als „Intelligenz“ interpretiert. Lehrer beobachten den Wahrnehmungsstress der Kinder und werden, wie diese, mit den Problemen allein gelassen. Dabei sind die Hinweise auf Sehdefizite frühzeitig im Kindergarten erkenn- und Lernschwierigkeiten vorhersehbar. Deren vollständige Korrektion, noch vor Schuleintritt, schenkt den Kindern die unbedingt nötige Zeit, um wichtige Wahrnehmungs- und Lernerfahrungen aufzuholen, Grundvoraussetzungen für problemloses, schulisches Lernen. Sie verhindern oder mindern die Gefahr, dass es zu den vielfältigen Formen der Rechen- Lese- und Schreibstörungen überhaupt erst kommt. Jeder, der sich zu Kinderoptometrie äußert, trägt große Verantwortung - wer sie zielgerichtet ausübt hat die Aussicht darauf, den Kindern und der Optometrie gerecht zu werden.
10:15 – 10:45 Bärbel Kahn:
"Auswirkungen von MKH-Korrektionen auf den Erfolg von Lerntherapien"


Immer wieder fallen mir in meinen Therapiestunden Kinder auf, die sich beim Zeichnen und Schreiben extrem anstrengen, die Ergebnisse den Bemühungen aber nicht entsprechen. Was liegt näher, als eine Sehschwäche zu vermuten?
Seit einigen Jahren empfehle ich den Eltern für ihr Kind eine gründliche Sehanalyse bei Frau Brandt, Augenoptikermeisterin in Hannover. Zumeist bestätigt sich mein „Verdacht“. Häufig stellt sie ein latentes Schielen fest, wodurch Bildlagefehler entstehen, die dann durch eine prismatische Brille ausgeglichen werden können.
Frau Brandt hat auch mir mit einer Prismenbrille helfen können. Und so weiß ich aus eigener Betroffenheit wie wichtig es ist, eine Augenfehlstellung mit den richtigen Gläsern auszugleichen. Lernerfolge stellen sich nach und nach ein, aber zuerst geht es dem Kind besser, weil es nun die ganze Welt anders sehen und erfahren kann.
10:45 – 11:10   Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Georg Stollenwerk, M.Sc.)
11:10 – 11:40   Kaffeepause
11:40 - 13:30
Vortragsblock II  
11:40 – 12:10 Dr. Andreas Berke:
"Visuelle Funktionsteste – Kür oder Pflicht?"


Die Arbeitsrichtlinien des ZVA benennen einfache und erweiterte Funktionsteste, die Bestandteil optometrischer Dienstleistungen sein sollten. Einfache Funktionsteste umfassen die Prüfung der Augenbewegungen, des Binokularstatus für Ferne und Nähe, der Akkommodation oder orientierende Gesichtsfeldprüfungen. Erweiterte Funktionsprüfungen sind u.a. die Prüfung des Farbensehens, der Kontrastempfindlichkeit und des Gesichtsfeldes. Ebenso werden die Tonometrie und die Inspektion des vorderen und hinteren Augenabschnitts zu den erweiterten Funktionstesten gezählt. Es ist nicht sinnvoll, immer das komplette Repertoire aller Funktionsteste bei einem Kunden abzuarbeiten. Eine kompetente optometrische Versorgung des Kunden besteht vielmehr darin, aufbauend auf einer umfassenden Anamnese sich auf die Funktionsteste zu beschränken, die für den konkreten Fall angezeigt sind. Nur so lässt sich eine auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Verordnung erstellen. Visuelle Funktionsteste sind daher mehr als nur eine Kürveranstaltung, wie weit aber die Pflicht geht, muss in jedem Einzelfall neu bestimmt werden.
12:10 – 12:40 Carolin Truckenbrod, M.Sc.: "Anwendung und Auswertung des Motilitätstests"

Der Motilitätstest scheint schnell erklärt zu sein. Doch was genau bedeutet es, wenn der Kunde mit einem Auge dem Objekt nicht folgen kann? Welche Muskeln und welche Nerven sind möglicherweise betroffen? Im Vortrag soll es nicht nur darum gehen Motilitätsdefekte zu erkennen und zu bewerten, sondern auch den Kunden beraten zu können. Dazu wird ein Hintergrundwissen vermittelt warum Einschränkungen der Motilität entstehen und welche Prognose oder Therapiemöglichkeiten es gibt. Dazu zählt zum Beispiel abzuschätzen, wann Prismen stabil sind und zur Doppelbildkorrektur verordnet werden sollten. Häufig sind Prismenkorrekturen durch die unterschiedlichen Schielwinkel zusätzlich erschwert.
12:40 – 13:10 Esther Goeltzer: "Prismatische Versorgung bei Diplopie"

Die Versorgung von Klienten mit Diplopie fängt bei genauer Anamnese an, klärt über die Ursachen auf und sollte mit Ausgleich des Schielwinkels mittels Prismen erfolgen.
Leider stellt dieses Vorgehen nicht die gängige Praxis dar. Augenärzte, Orthoptistinnen und Augenoptiker/Optometristen fordern Geduld ein, verordnen Augenklappen, Mattgläser, schwarze Kontaktlinsen, bieten Enukleation an.
Mutige Kollegen versuchen eine deutliche Unterkorrektion mittels Prismenfolie auf dem besseren Auge, die meist nicht vertragen wird.
Es sollte dem immensen Leidensdruck, den praktischen- und psychischen Folgen für die Betroffenen mit professionellem Management begegnet werden!
Der Vortrag sollte Ihnen Mut machen, tätig zu werden und erklärt die praktische Vorgehensweise.
13:15 – 13:30



Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Volkhard Schroth, M.Sc.)
13:30 – 14:15   Mittagessen (Stehimbiss im Foyer)
14:15 - 16:00
Vortragsblock III



14:15 – 14:45 Georg Stollenwerk, M.Sc.:
"Aktuelles zur 3D-Refraktion"


Systeme zur so genannten "3D-Refraktion" sind mittlerweile weit verbreitet, und entsprechend hält auch die kontroverse Diskussion über neue Teste und geänderte Abläufe an. Der Vortrag informiert über den aktuellen Stand der Systeme, neue Teste und strittige Anwendungsempfehlungen.
In verschiedenen Systemen ist seit Kurzem eine "IVBS-Testreihe" enthalten, die einen korrekten Ablauf der Brillenglasbestimmung sicherstellen soll, insbesondere in Bezug auf Sehteste mit 2D- und 3D-Hintergrundbildern. Die praktische Anwendung dieser empfohlenen Testreihe wird erläutert.
14:45 – 15:15 Alois Stütz:
"Low-Contrast und Dynamik für die MKH: Was kann das (bringen)?"


Wir sind es seit Jahrzehnten gewohnt und nehmen dies als selbstverständlich, für Sehtests und Brillenglasbestimmungen schwarze Zeichen auf relativ hellem Hintergrund zu präsentieren. Diese Testfeldleuchtdichte muss nach Visusdefinition 4x bis 10x höher sein als die umgebende Gesichtsfeldleuchtdichte (=Raumhelligkeit).
Versucht man, den Kontrast der Darstellung zu reduzieren, kommt man schnell in „Teufels Küche“ der Fotometrie, nicht nur wegen der Kontrastformeln: Welche der drei gängigen ist nun die Richtige?
Eine gut steuerbare Kontrasreduktion würde sicher neue und gut verwertbare Aspekte eröffnen. Wir könnten tatsächlich in unseren abstrakten Testbildern endlich die Realität abbilden, wie sie den Menschen im Lebensalltag gegenübertritt: Normal nicht auf besonders hellem Hintergrund, selten im Hochkontrast und meist dyna-misch, also oft relativ schnell wechselnd, weil wir oder die Dinge in Bewegung sind. – Und Bewegung statt Statik ist: gerade die Stereopsis und deren optimale Ausbildung, um die sich niemand so intensiv kümmert wie die MKH, ist im Nahbereich DIE Sehfunktion für die z-Achse, die Tiefe im Raum: präzise, schnell und sicher können wir Tempo und Richtung sich nähernder Objekte einschätzen und adäquat motorisch reagieren. – Ein enorm dynamischer, extrem zeitabhängiger Prozess.
Dazu kommt, dass für die MKH das Auflösungsvermögen (=kleinster Erscheinungswinkel des Zwischenraums zweier Kanten) des visuellen Systems völlig irrelevant ist. Für Stereopsis ist bekanntlich nur die Position einer Kante und ihre Parallaxe, also die horizontale Positionsverschiebung im Bild des rechten Auges relativ zum linken, von Belang.
Mit einer neue Art der Darstellung von Sehobjekten, den patentierten „integralen Sehobjekte“ kann dies alles und auf einmal erreicht und umgesetzt werden:
+ reine Darstellung einzelner, polarisierbarer Kanten, wozu kein Visus nötig ist…
+ variabler Kontrast von 100 bis 0 ohne Leuchtdichtenänderung im Integral.
+ Dynamik durch „Pulsen“ ohne jede Ortsveränderung ist dar- und herstellbar!
Zum letzten Punkt: bewegte Objekte haben gerade in Bezug auf Stereospis einen wesentlich höheren subjektiven Reiz und Bedeutung im Alltag als statische, die neue Art der Darstellung ändert aber trotz „Pulsen“ weder die Position (x-y-z-Achse bleibt), noch die Gesamtleuchtdichte der Zeichen – das geht!
Insgesamt ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten, wesentliche Parameter-Änderungen, und zwar jede völlig unabhängig von einer anderen, vorzunehmen. Folglich kann ausgelotet werden, welche davon klarer interpretierbare Aussagen unserer Probanden bewirken (können). Weil wir damit bisher nicht eliminierbare, aber die MKH sehr störende, kompensatorische Prozesse besser „in den Griff bekommen“, kann damit die Sicherheit der Messergebnisse verbessert und auch Zeit gespart werden.
15:15 – 15:45

Roland Domann, Dr. Fritz Grozny:
"Der besondere Praxisfall"


Der besondere Praxisfall, Markus Faller, schreibt über sich: "Dass ich nicht normal war, sah man schon von weitem. Ich war ein schräger Typ: Mein Kopf hing zur Seite, ich blickte von links unten auf die Welt. Meine Kumpels fanden das cool, Mädels fanden es „süüüß“, auf Fremde wirkte es arrogant. Für die Ärzte war es ein „muskulärer Schiefhals“. Für Psychiater ein Tick.
Für mich war es einfach nur ungeheuer anstrengend und schmerzhaft.
Irgendwann beschloss ich, den Schmerz wegzutrommeln. Schon als 13-Jähriger saß ich jeden Tag drei Stunden hinterm Schlagzeug. Andere Kinder musizierten sich mit Haydns Klaviersonaten durch Nachwuchswettbewerbe.
Ich dagegen trommelte mein Lebensgefühl – und mich selbst immer mehr ins soziale Abseits. Lehrer und Mitschüler schauten nur ungläubig, wenn ich wieder von meinen stundenlangen Exzessen im Proberaum erzählte. Oft wurde mir schwindelig, ich sah schwarze Flecken oder alles doppelt. Meine Laune wurde immer schlechter. Überall Schmerzen. Ich wurde depressiv. Niemand verstand mich. Nicht mal ich selbst. Ich war ein hoffnungsloser Fall. 33 Jahre lang. Bis zu jenem Tag im Herbst 2011.
Bis zu jenem Moment, als ein Linienbus in München meine Sonnenbrille überfuhr. Zu meinem Retter wurde ein junger Optiker in der Provinz, der mir klar machte, dass ich mein bisheriges Leben einfach nur aus der falschen Perspektive wahrgenommen hatte. Er machte mich mit einem Teil meines Körpers bekannt, von dessen Existenz ich bislang nichts geahnt hatte. Ich nenne ihn: den Trommelnerv."
15:45 – 16:00   Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Prof. Ralph Krüger)
16:00   Schlusswort