27. IVBS-Jahreskongress


Der 27. Jahreskongress der IVBS fand am 17. und 18. Mai 2014 im Hotel Wyndham Garden Lahnstein Koblenz (Zu den Thermen, D-56112 Lahnstein) statt. Das Haus liegt über den landschaftlich reizvollen Tälern von Rhein und Lahn. Hier trafen sich die Mitglieder der IVBS in den vergangenen Jahren bereits mehrfach.

Einen Überblick über das Programm finden Sie unten. 

Es war ein freudiges Wiedersehen und ein fachlich interessantes, anregendes Wochenende. Stöbern Sie ruhig ein wenig in den Fotos von diesem Kongress.

Der IVBS-Jahreskongress 2015 wird in Mainz stattfinden. Er wird begleitet sein vom 'Tag der Optometrie', einer gemeinsamen Veranstaltung von ZVA, VDCO und IVBS. 

Bis dann!

 

Programm

Samstag,17. Mai 2014
09:00 – 12:00 IVBS-Vorstandssitzung
13:00 - 16:30
Seminare
S 1 Dr. Gernot Jendrusch: "Binokular- und Tiefensehen im Sport - Anforderungen, Möglichkeiten und Grenzen, Trainierbarkeit"

Bewegungshandlungen und -lernen werden maßgeblich durch Wahrnehmungs- und Sinnesleistungen beeinflusst. So dient z.B. die visuelle Wahrnehmung im Sport zur Orientierung, zur Kontrolle der Eigenbewegung sowie zur Antizipation und Erfassung von Fremdbewegung(en). In vielen Sportarten ist das räumliche Sehen leistungsbeeinflussend. Das gilt u.a. für das Abschätzen von Entfernungen (z.B. Wurfentfernung im Handball) ebenso wie das genaue Lokalisieren von bewegten Gegenständen (z.B. anfliegender Ball) im Nahbereich des Sporttreibenden. Die Notwendigkeit, z.B. im Tennis Ballflugwege und Gegnerverhalten visuell zu erfassen, um den Ball im richtigen Moment, an der richtigen Stelle zu treffen, beanspruchen (neben gutem Bewegungssehen) in hohem Maße die Kapazität und Präzision der Tiefenwahrnehmung.
Im Workshop soll(en):
• die Bedeutung von Binokular- und Tiefensehen als wichtige Faktoren für die sichere und individuell optimale Sportausübung an Beispielen demonstriert/erfahren sowie durch wissenschaftliche Befunde veranschaulicht werden,
• die im Rahmen visueller Leistungsdiagnostik eingesetzten haploskopischen und natürlichen Tiefen-/Stereosehtests vorgestellt werden und
• die Möglichkeiten und Grenzen der Trainierbarkeit der Tiefenwahrnehmung aufgezeigt sowie die Effektivität von SportsVisionTraining und Wahrnehmungsschulung diskutiert werden.

S 2 Prof. Ralph Krüger: "Theorie und Praxis zu den MKH-Nahtesten"

Die Mehrzahl der Asthenopien verursachenden Heterophorien werden durch Schwierigkeiten beim Nahsehen auffällig. Dies ist der Grund dafür, dass in solchen Fällen international der Messung von Funktionen des Nahsehens (AC/A-Verhältnis, max. Akkommodationserfolg usw.) besondere Beachtung geschenkt wird.

Demgegenüber scheint die MKH einigen Fachleuten die Verhältnisse beim Nahsehen nicht ausreichend zu berücksichtigen. Das Seminar widmet sich daher den folgenden Fragen:

• Welche ergänzenden Messungen und Funktionstests des Nahsehens stehen zur Verfügung und welche Bedeutung kommt ihnen zu?
• Welchen Einfluss hat eine Heterophorie auf das Nahsehen?
• Wie sieht das diesbezügliche Konzept der MKH aus?
• Ist es ausreichend, zumindest bei nicht-presbyopen Klienten, die prismatische Korrektion ausschließlich an den Ferntesten zu ermitteln?
• Wie ist das Vorgehen an den MKH-Nahtesten? Wie sind die Klientenangaben zu interpretieren?
• In welchen Fällen kommen für Ferne und Nähe unterschiedliche prismatische Korrektionswerte in Betracht?

S 3 Olaf Müller: "MKH für Einsteiger"

Inhalte:
- Grundfunktionen des Binokularsehens
- Theoretischer Gedanke der MKH
- Funktion und Anwendung der Testbilder
- Einflussfaktoren auf den möglichen Erfolg der Korrektion
- Umsetzen der ermittelten Daten in die Korrektionsbrille

S 4 Michaela Reinhard: "Tipps und Tricks zur Zentrierung und Anfertigung prismatischer Gleitsichtbrillen"

Bei der Herstellung prismatischer Gleitsichtbrillen müssen einige zusätzliche Aspekte berücksichtigt werden, um für den Brillenträger ein befriedigendes Ergebnis sicherzustellen. Ein wichtiger Bereich der augenoptischen Tätigkeit ist die Übertragung der Messsituation in die vom Nutzer vorgegebene Gebrauchssituation. Fehler im Verlauf der subjektiven Augenglasbestimmung, bei der Zentrierdatenerhebung, bei der Bestellung und bei der Einarbeitung der Gläser in die Fassung können sich im schlimmsten Fall addieren und ein „Aus“ für die gefertigte Brille bedeuten! Oft unterschätzt wird die Bedeutung einer exakten anatomischen Anpassung der Brille mit dem Ziel eines sicheren und beschwerdefreien Sitzes der Brille in genau der Position, für die die Brillengläser berechnet sind.

Das Seminar versucht die Fallstricke aufzuzeigen, in denen sich Anpasser im Verlauf ihrer vielschichtigen Tätigkeit bis zum Endprodukt „Prismatische Gleitsichtbrille“ verfangen können. Die Seminarteilnehmer sollten künftig davor gefeit sein.

S 5 Volkhard Schroth, B.Sc.: "Binocular differences far-near: identified with function tests and MCH measurements" (Seminar in Englischer Sprache)

Far-near differences in binocular functions are quite common. Both accommodation and vergence can lead to such differences which will cause non-adaptation particularly with regard to mulitfocals. A set of function tests enables the examiner to differentiate between the classical syndromes after Duane/ Donders. These tests and their respective background will be explained and applied in practice.
Also the MCH measurements in far and near distance are giving valuable information about the binocular syndromes. The clinical pearls are explained and practical demonstration will be given.
Using the combination of function tests and MCH measurements, the examiner will be able to determine an adequate and successful binocular prescription.

S 6 Dr. med. Fritz Gorzny: "Mikrostrabismus und MKH"

Noli me tangere (Rühre mich nicht an!) lautet die Devise der Strabologen beim Mikrostrabismus.
Funktionell besteht häufig eine nur geringe Amblyopie mit herabgesetzten Binokularsehen, der kosmetische Aspekt ist meist unauffällig, warum sollte man da eingreifen. Die Probleme bei Mikrostrabismus resultieren jedoch aus der stets begleitenden, teils sogar hochgradigen assoziierten Heterophorie –meistens im Sinne einer Esophorie- mit Störungen der Grob- und Feinmotorik, Cephalgie, LRS/Legasthenie mit und ohne AD(H)S. Zudem wird der motorische Ausgleich dieser Begleitheterophorie in tiefere Regionen verlagert mit dem Entstehen von Kopfzwangshaltung, Bissanomalien, Verkrümmungen der Wirbelsäule, Beckenschiefstand und Ganganomalien.
Da die Betroffenen mit diesen Problemen eher nicht den Arzt für Augenheilkunde sondern den für Allgemeinmedizin, Orthopädie, Pädiatrie, Neurologie oder gar Schmerztherapie aufsuchen, bleiben die visuellen Zusammenhänge verborgen, der Patient sitzt quasi in den falschen Wartezimmern, wird nur palliativ und somit unvollständig versorgt.
Im Seminar sollen diese Zusammenhänge aufgedeckt und die therapeutischen Möglichkeiten durch die MKH und die konsequente prismatische Korrektion, ggf. auch Schieloperation der Heterophorie an zahlreichen Fallbeispielen dargestellt und erläutert werden.

S 7 Georg Stollenwerk, M.Sc.: "Theorie und Praxis der wichtigsten Funktionsteste"

Optometrische Funktionsteste erfordern nur einen geringen Aufwand, liefern aber oftmals eine hohe Aussagekraft. Das Seminar vermittelt in praxisbezogener Form einen Überblick über das theoretische Hintergrundwissen zur erfolgreichen Anwendung und Auswertung optometrischer Funktionsteste. Zielsetzung ist, dass der Anwender in der Lage ist, bei allen relevanten Funktionstesten zwischen normalem und auffälligem Befund zu unterscheiden. Darüber hinaus wird die praktische Durchführung besprochen und demonstriert. Folgende Themenfelder werden behandelt: Einstellbewegungen, Konvergenznahpunkt, Motilität, Folgebewegungen, Sakkaden, Pupillenlichtreflexe, Gesichtsfeld und Akkommodation. Dabei können in Absprache mit den Teilnehmern Schwerpunkte gesetzt werden.

S 8 Jürgen Eichinger: "Bedeutung von FD-Korrektionen für die Verträglichkeit von Gleitsichtbrillen"

Diese Thematik wendet sich primär an alle aktiven Anwender der MKH-Methodik; erst recht jedoch wäre sie interessant für alle Kollegen, die die MKH noch nicht anwenden!

Was passiert bei den Entwicklungsformen von Fixationsdisparation?
Wie unterscheidet sich die Auswirkung für das Sehen im Fern- vom Sehen im Zwischen- und Nahbereich?
Fällt Fixationsdisparation bei Menschen im vorpresbyopen Alter weniger auf, als bei denjenigen, die eine Nahunterstützung in Form einer Gleitsichtbrille benötigen?
Können wir diesen Presbyopen mit FD dabei helfen, gut und komfortabel mit ihrer Gleitsichtbrille den Alltag zu meistern?
Welche Einflüsse kommen noch durch die individuell erworbenen Verhaltensmuster, die gewohnte Blicksteuerung, Kopfhaltung, Arbeitsumstände usw. hinzu?

Die führenden Brillenlinsenhersteller in Europa führen Statistiken über die Verträglichkeitsrelation bzw. die Erduldungsquote im Verhältnis zur Gesamtzahl ihrer verkauften Gleitsicht-Brillenlinsen.
Über Verträglichkeitsgarantien können sie ansatzweise erkennen, wie hoch die Akzeptanz ausfällt.
Warum jedoch viele potentielle Brillenträger unzufrieden sind mit der für sie individuell gemessenen und angefertigten Gleitsichtbrille (und diese teilweise verachtet in der Schublade landet) hat sicher vielerlei Gründe, denn unsere Klienten sind als Menschen viel mehr als nur Besitzer eines Augenpaares, sie sind eine handelnde Gesamteinheit mit Gewohnheiten und Wünschen.
Sie bringen nämlich auch unterschiedliche Bereitschaft zur Veränderung ihrer Gewohnheiten mit sich und besitzen ihre sehr eigenen Toleranz- und Komfortbereiche.
Unser zu beleuchtender Punkt – der Anteil der FD - ist für mich dabei einer der wichtigsten, und Ihnen, liebe Zuhörer, diesen im Gesamtkontext verständlich zu vermitteln, sehe ich als meine Aufgabe an.

S 9 Jan Dominiczak: "Einfaches Erkennen von Sehproblemen bei Vorschul- und Schulkindern"

Erleben Sie, wie man sich als Erstklässler fühlt und wie schwer richtiges Lesen sein kann. Wie kommt es zu Fehlern? Wann sind Rechenprobleme vorprogrammiert und welche Auffälligkeiten geben eindeutige Hinweise auf gestörte Wahrnehmung, um dann in allen Schulfächern gezielt helfen zu können?
Erfolg in Schule und Unterricht basiert in den ersten Jahren zum größten Teil auf der absolut simplen Fähigkeit zur Reproduktion. Die Herausforderung schulischen Erlernens der Kulturtechniken findet unter der Wechselwirkung von visuellem-auditivem Input und motorischem Output statt. Die Aufgabe dabei ist es, Formen und Laute zu unterscheiden, um sie dann auch den Buchstaben zuzuordnen und Worte daraus zu bilden. Zunächst geht es um nichts anderes als die identische und exakte Reproduktion. Hier ist wenig IQ, dafür umso mehr gute visuelle Kondition nötig. Beim Schreiben von Buchstaben als Teile von Worten müssen diese dann nicht nur exakt reproduziert, sondern auch in der orthographisch richtigen Reihenfolge angeordnet werden. Visuelle Dyskoordination bei der Zeichenerfassung führt geradewegs in Lese-, Verarbeitungs- und Wiedergabekonflikte. Ursachen und Lösungen dieser Konflikte werden in der Wissenschaft leider noch meist in den Tiefen des Gehirns gesucht! Die Wichtigkeit der Augen wird systematisch übersehen, nicht zuletzt auch, dass sie anatomisch vorderster Teil des Gehirns sind!
Nicht ideale Zeichenerfassung, sei es aufgrund von Kurz- oder Weitsichtigkeit, Anisometropie, Astigmatismus, horizontalen und/oder vertikalen Bildlagefehlern oder aber auch durch irritierende Beleuchtungsverhältnisse, führt in der Regel zur unsicheren und verzögerten Wahrnehmung unterschiedlichster Ausprägung und hinterlässt lebenslange Spuren. Deren Variantenreichtum ist so unendlich, wie die möglichen Kombinationen der erwähnten Wahrnehmungsstörungen selbst. Augendominanz und Händigkeit sind ebenso entscheidender Teil von Schul- und Lebenserfolg.
Die Dimension der Auswirkungen unkorrigierter Abbildungsfehler bei Lernproblemen kann heute nicht im Ansatz erahnt werden.
Visuell verzögerte Wahrnehmung zeigt sich selbst dem ungeübten Betrachter auch in anderen Teilleistungsbereichen wie der Sprachausdrucksweise, dem Umgang mit der Schere, beim Malen, beim Falten, beim Spiel mit Bällen oder einfach nur bei der Umsetzung von willentlich zu steuernden Bewegungen im Raum oder Sport. Besonders gravierend, aber daher klar erkennbar, zeigen sich die Auswirkungen in den graphomotorischen Leistungen der Kinder in jeder Altersstufe. Es ist nur eine Frage der Interpretation. Wer diese Auffälligkeiten kennt, erkennt auch die positiven Veränderungen, welche nach Korrektionen zu erwarten sind und kann diese in der Folge belegen.

S 10 Michael Hornig: "Untersuchung des Binokularsehens bei Kindern" (kostenloses Seminar nur für Studenten)

Kinderoptometrie ist ein weites Feld. Die rechtliche Situation, die Entwicklung des Sehens, die kindgerechte Anamnese und Augenglasbestimmung, der Umgang mit den Eltern oder die interdisziplinäre Zusammenarbeit sind einige wichtige Bausteine, die vielfältig ergänzt werden können.
Die Untersuchung des Binokularsehens stellt einen Baustein dar, der einer guten Vorarbeit bedarf. Die Anamnese, Funktionsteste, die Skiaskopie und eine kindgerechte monokulare Refraktionsbestimmung werden daher in dem Seminar ebenso angesprochen, wie die Durchführung der binokularen Korrektion.
Das Seminar soll einen Einblick in ein wichtiges und äußerst spannendes Gebiet der Augenoptik geben.

S 11 Fritz Paßmann: "3D-Refraktion: Bestimmung der monokularen Korrektionswerte unter binokularen Sehbedingungen"

In diesem Praxis-Seminar wird die komplette Vorgehensweise der Augenglasbestimmung mit Hilfe des innovativen Systems „PasKal3D Erlebnisrefraktion“ vorgeführt. Zuvor wird in einem theoretischen Teil die Begriffe Stereopsis und Dominanz sowie das Funktionsprinzip der zirkularen Polarisation erläutert. Für erfahrene Refraktionisten.

Bei dieser Vorgehensweise bleiben von Anfang an beide Augen des Probanden geöffnet, die Trennung der Seheindrücke beider Augen erfolgt über eine zirkulare Polarisation. Durch diese Refraktionsmöglichkeit können besonders exakte Korrektionen unter Berücksichtigung zyklophorer Verrollungen erzielt werden, die für eine verträgliche Brillenglaskorrektion besonders notwendig sind. In kürzester Zeit werden alle notwendigen Funktionen des Augenpaares binokular, unter monokularer Zuordnung, geprüft. Auf diese Weise wird der komplette Sehapparat des Menschen inklusive seiner am höchst entwickelten Form, dem stereoskopischen Sehen, angesprochen und das natürliche ganzheitliche Sehen gefordert. Weiterhin wird auf den neu entwickelten Dominanztest eingegangen.

S 12 Dr. med. Urs Schmied: "MKH für Fortgeschrittene" (Wdh. vom Vorjahr)

Das Seminar ist in Teilen eine Wiederholung und wendet sich vor allem an erfahrene MKH-Anwender, obwohl Anfänger/innen ebenfalls profitieren können. Es werden die schwierigeren Fälle behandelt, mit denen sehr erfahrene MKH-Anwender im Laufe der Zeit konfrontiert werden können. Der Schwerpunkt liegt auf der zeiteffizienten Anwendung der Korrektionsregeln und der Berücksichtigung der Physiologie der Augenmuskeln. Nach diesem Seminar sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Messungen in kürzerer Zeit als bisher und außerdem mit einer höheren Präzision durchführen können. Eigene Problemfälle könnten vorgestellt und diskutiert werden, soweit die verfügbare Zeit es gestattet.
S 13 Beate Göpel: "Professionelle Integration der MKH in den augenoptischen Alltag" (Wdh. vom Vorjahr)

Zeitprobleme? Keinen Kopf frei für die MKH? Nicht genug Erfahrung? Keine Nerven dafür? Diese Messungen passen nicht in den allgemeinen Betriebsablauf?
Die MKH ist eine aufwändige Messmethodik und erfordert viel Konzentration und Übersicht, aber auch Diplomatie in Gesprächen und Organisation im Umfeld.
Diese Punkte sollten nach dem Seminar für Sie kein Hinderungsgrund mehr sein.

Hier lernen Sie alles so zu organisieren, dass Sie Zeit sparen und den Kopf frei behalten. Dabei ist natürlich eine sehr individuelle Kundenbetreuung zu gewährleisten.

17:00 - 19:00 Generalversammlung (nur für Mitglieder der IVBS)
19:30 Abfahrt zur Abendveranstaltung (Rittermahl auf der Marksburg)
Sonntag,18. Mai 2014
09:00 - 16:00
Vorträge
09:00 - 09:15 Begrüßung durch den Präsidenten der IVBS
Georg Stollenwerk, M.Sc.
09:15 - 11:10
Vortragsblock I
09:15 – 09:45 Prof. Dr. Michael Gräf: "Diagnostik und Therapie inkomitanten Schielens"

Im Unterschied zum so genannten (kon)komitanten oder Begleitschielen, in einem gleich bleibenden Winkel, ändert sich der Schielwinkel beim inkomitanten Schielen abhängig von der Blickrichtung, im erweiterten Sinn auch von der Entfernung.
Die Ursache dieser Inkomitanz kann primär im Bereich der Augenmuskeln selbst liegen oder in der neuromuskulären Erregungsübertragung, den Augenmuskelnerven, deren Kerngebiet im Hirnstamm oder in höher gelegenen Zentren oder Nervenbahnen.
In den meisten Fällen ist eine erfolgreiche Behandlung entweder durch Augenmuskelchirurgie oder mittels Prismen- oder Mehrstärkenbrillen oder die Kombination von beiden möglich.
Es werden häufige inkomitante Schielformen und deren Behandlung dargestellt.

09:45 – 10:15 Wolfgang Cagnolati, D.Sc.: "Extraokulare Augenmuskeln und intraokularer Druck"

Der Zusammenhang zwischen der Aktivität der extraokularen Augenmuskeln und dem intraokularen Druck ist aus klinischer Praxis und Forschung bekannt. Unter anderem Lenison (1910); Raczynski et al (1985); Dev et al (1998); Kalmann et al (1998);Meyer et al (2001); Snir et al (2001) und Del Canto et al (2006) publizierten hierzu interessante Studien.
In den beschriebenen Arbeiten widmeten sich die Autoren u.a. der Fragestellung der Zunahme des IOP bei Vorliegen einer endokrinen Orbitopathie und der Reduktion desselben nach erfolgter orbitaler Dekompensation aber auch der Veränderung des IOP`s in Verbindung mit Strabismusoperationen.
Hiervon ausgehend widmet sich der Vortrag dem Zusammenhang zwischen der Höhe des gemessenen IOP und der unmittelbar vorher durchgeführten quantitativen Bestimmung einer assoziierten Phorie.
Dem Vortrag liegt eine an der heutigen Beuth Hochschule für Technik Berlin im Fachbereich Optometrie durchgeführte Masterarbeit, welche vom Referenten betreut wurde, zugrunde In der Masterarbeit wurden folgende Fragestellungen untersucht:
• Wie ändert sich der IOP, wenn das nicht zu messende Auge während der Augeninnendruckmessung nicht okkludiert wird?
• Wie ändert sich der intraokulare Druck, wenn das nicht zu messende Auge während der Augeninnendruckmessung okkludiert wird?
• Wie verändert sich der intraokulare Druck nach der monokularen Augenprüfung im Vergleich ohne und mit Okklusion?
• Wie ändert sich der intraokulare Druck nach dem Tragen der Prismen im Vergleich ohne und mit Okklusion?
Im Vortrag werden die Ergebnisse der der Masterarbeit zugrundeliegenden Studie präsentiert und im klinischen Kontext diskutiert.

10:15 – 10:45 Michael Hornig: "Einflussfaktoren auf das Binokularsehen"

Ungestörtes Binokularsehen erfordert bizentrale Bildlage bei geringstem Energieaufwand. Alle Abweichungen davon müssen zwangsläufig zu Einschränkungen führen. Bekannte Einflussfaktoren sind Heterotropie und Heterophorie in ihren Varianten als assoziierte und dissoziierte Heterophorie. Wie jedoch wirken sich Ametropien, insbesondere Astigmatismus und Anisometropie aus? Im Vortrag werden mögliche Folgen unkorrigierter oder korrigierter Ametropien aufgezeigt. Auch mögliche Einflüsse auf das Ergebnis einer binokularen Augenglasbestimmung werden betrachtet.

10:45 – 11:10 Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Georg Stollenwerk, M.Sc.)
11:10 – 11:40 Kaffeepause
11:40 - 13:30
Vortragsblock II
11:40 – 12:10 Dr. med. Fritz Gorzny und Ines Jonischkies: "Binokularstörungen durch Vergenzexzesse"

Definiert werden Vergenzexzesse grundsätzlich als unterschiedliche Schielwinkel in Ferne und Nähe unabhängig von Größe und Art (konvergent/divergent) des Winkels. In der Regel handelt es sich um Konvergenzexezesse, basierend auf einer Strabismus-/ Mikrostrabismuskonvergenz mit hyperkinetischer, normakkommodativer und selten hypoakkommodativer Komponente. Probleme entstehen durch strabismusbedingt herabgesetztes Binokularsehen und zusätzlich durch die überschießende Akkommodation im Nahbereich mit Störung der Hand- Augenkoordination und des Lesens. Therapiert wird optisch mit Bifokalbrille und/oder chirurgisch durch Augenmuskeloperation mit zusätzlicher Fadenfixation je nach Art des Exzesses. Besonders bei Mikrotropie mit heterophorer Komponente erweist sich die Winkelmessung mittels Untersuchung nach der MKH anderen Verfahren überlegen. Über die verschiedenen Wege zu Diagnose und Therapie wird auch anhand von Beispielen berichtet.
Ziel der Behandlung mit Beginn möglichst schon im Kleinkindalter: Parallelstand der Augen in Ferne und Nähe mit Binokularsehen.

12:10 – 12:40 Dr. med. Urs Schmied: "Stereopsis bei Strabismus?"

Der Begriff „Stereosehen“ scheint im Sprachgebrauch auch von Fachleuten ziemlich ausschliesslich für das beidäugige, volle Binokularsehen mit physiologisch guter oder auch maximaler Stereosehschärfe zu stehen und so verwendet zu werden, obwohl dies den Wortsinn deutlich einengt und regelmässig zu Missverständnissen führt. Das Raumsehen sollte nach Ansicht des Autors mit gutem Recht und zum Nutzen Vieler weiter gefasst werden. Bei frühkindlichem Schielen wird den Betroffenen in der Regel erklärt, ein räumliches Sehen sei nicht möglich, was klar falsch ist. Allerdings ist das legale Ausüben bestimmter Berufe an ein vollwertiges Binokularsehen mit entsprechend höchstwertiger Stereopsis gebunden. Es wird versucht, das Raumsehen möglichst vollständig darzustellen.

12:40 – 13:10 Georg Stollenwerk, M.Sc.: "Neue differenzierte Stereoteste in elektronischen Sehprüfgeräten"

Differenzierte Stereoteste finden bereits seit Jahrzehnten Anwendung in der MKH, zunächst nur ergänzend, seit vielen Jahren sind sie gemäß den Richtlinien obligatorisch. Ein wesentlicher Anwendungszweck dieser Teste ist das Ermitteln der Stereo-Tiefensehschärfe – als Merkmal für die Qualität der höchsten Stufe des Binokularsehens. Mittlerweile ist es technisch möglich, so kleine Stereoparallaxen zu realisieren, dass diese dem durchschnittlichen Stereogrenzwinkel entsprechen. Elektronische Sehprüfgeräte erlauben darüber hinaus weitere Optimierungen wie zum Beispiel eine sinnvolle Abstufung der Stereowinkel. Der Vortrag erläutert die Anforderungen und zeigt die Vorteile differenzierter Stereoteste der neuesten Generation auf. Darüber hinaus werden Tipps zur praktischen Anwendung gegeben.

13:15 – 13:30 Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Volkhard Schroth, M.Sc.)
13:30 – 14:15 Mittagessen (Stehimbiss im Foyer)
14:15 - 16:00
Vortragsblock III
14:15 – 14:45 Dieter Kalder: "Erfolgreiche Gleitsichtkorrektionen - trotz Prismen!?"

Prismatische Verordnungen und der Einsatz von Gleitsichtgläsern mögen manchmal kritisch betrachtet werden, aber schließen sich auf keinen Fall gegenseitig aus.
Fragen, die man sich stellen muss: Was bewirkt die prismatische Korrektion - verbessert sie den Visus, das stereoskopische Sehen oder sollen asthenopische Beschwerden gelindert oder beseitigen werden?
Handelt es sich um einen Strabismus oder eine Heterophorie?
Wurden bereits prismatische Wirkungen im Einstärkenbereich getragen oder ist die erste Presbyopie Korrektion auch die erste Prismen-Korrektur? Sind durch einen Strabismus indiziert anomale Kopfhaltungen entstanden?
Es wird der Unterschied zwischen der „Fixationsdisparation“ und dem englischen Begriff „Fixation Disparity“ untersucht und Korrektionsmöglichkeiten daraus abgeleitet.
Es stellt sich die Frage, wie bei der Bemessung der prismatischen Wirkung, die sensorische und die motorische Fusion berücksichtigt wird. Dabei ist es interessant, ob die Größe des zentralen Panumraums auf eine einfache Weise, ohne bzw. mit einer Prismen Korrektion, bestimmt werden kann.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit allen Faktoren, die bei der Zentrierung einer prismatischen Gleitsichtbrille berücksichtigt werden müssen.

14:45 – 15:15 Fritz Paßmann: "Berücksichtigung von Augendominanz bei einer 3D-Refraktion"

PasKal3D Erlebnisrefraktion ist ein innovatives System, bei dem Optotypen in der subjektiven Refraktion von Anfang an unter binokularen Bedingungen in einem 3D Umfeld dargeboten werden.

Auf diese Weise wird der komplette Sehapparat des Menschen inklusive seiner am höchst entwickelten Form, dem stereoskopischen Sehen, angesprochen und das natürliche ganzheitliche Sehen gefordert. Hierdurch wird ein Refraktionsergebnis erzielt, das dem normalen, natürlichen Sehen sehr nahe kommt. Der Vortrag erläutert die Begriffe Führungsauge, Prävalenz (nach MKH) und Dominanz und grenzt sie gegeneinander ab. Es wird aufgezeigt, das der Einsatz eines Dominanztests zu Beginn einer Refraktion eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Verordnung von (prismatischen) Brillengläsern ist.

15:15 – 15:45 Volkhard Schroth, B.Sc.: "Fern-Nah-Unterschiede und Möglichkeiten der MKH-Korrektion"

Die MKH unterscheidet sich von anderen binokularen Korrektionsverfahren unter anderem darin, dass die in der Ferne bestimmten prismatischen Werte eine hohe Gewichtung haben. In aller Regel sind die an den MKH Ferntesten gemessen Ausgleichsprismen auch die korrigierenden Werte für die Verordnung. Wenn man nun aus dieser Erfahrungsregel ableiten wollte, dass die Nahwerte vernachlässigt werden könnten, wäre dies eine grobe Missachtung des individuellen Einzelfalls.
Allein die aufmerksame Beobachtung der Testwahrnehmungen an den Fern- und Nahtesten gibt bereits wichtige Hinweise auf notwendige Modifikationen der prismatischen Verordnung. An Beispielsfällen wird aufgezeigt, wie dies in der praktischen Anwendung der MKH gehandhabt werden kann.
So gut die MKH auch Auskunft über den sensorischen Status der untersuchten Person gibt, kann sie mit den Binokulartesten keine direkte Informationen über den akkommodativen Status geben. Daher sind Messungen und Funktionstests der Akkommodation unbedingt notwendig, um eine echte Einzelfall-Entscheidung über die individuell beste Verordnung treffen zu können. Die einfache und schnelle Anwendung von subjektiven Tests (Akkommodations-Flexibilität) und objektiven Messungen (MEM Skiaskopie) erlaubt eine differenzierte Beurteilung. Anhand eines Beispiels wird demonstriert, welche Konsequenz dies für die Verordnung haben kann.
15:45 – 16:00 Diskussionsrunde zu den vorangegangenen drei Vorträgen (Moderation: Prof. Ralph Krüger)
16:00 Schlusswort